Elton John – The Lockdown Sessions

Eine Rezension von Maximilian Nitzschke-Stockmann

Image by Alexander Lesnitsky from Pixabay

Mit seinem 32. Album »The Lockdown Sessions« überraschte Sir Elton John Fans und Musikfans gleichermaßen. Nachdem coronabedingt seine Abschiedstour unterbrochen werden musste und das Familienleben unerwartet früher begann, als es der nunmehr 74 Jahre alte John selbst angedacht hatte. Die Pandemie ließ die Abschiedstour nicht zum Abschluss bringen, und schmerzlich mussten Termine mehrfach verschoben werden. Elton John schreibt an seine Fans, dass er nicht im geringsten erwartet, dass er während des Lockdowns am Ende ein Album erschaffen würde. Er hatte von Bernie Taupin ein paar Texte liegen, fühlte sich aber lustlos und unmotiviert, je länger der Lockdown anhielt. Er begann sich zu vernetzen und lud sich Musiker zum Interview in seinen Podcast Elton John AfterHour, und so entstanden Kollaborationen und Songrealisierungen via Zoom.

Raus aus der Komfortzone, zurück zu den Anfängen einer Musiklegende, denn John war bereits zu Beginn seiner Karriere Sessionmusiker gewesen, und genau dieses Feeling inspirierte ihn völlig neu und führte zu ganzen 16 Songduetten, die unterschiedlicher kaum hätten sein können. Einige der Aufnahme-Sessions mussten aus der Ferne, über Zoom, durchgeführt werden, was der 74jährige noch nie zuvor genutzt hatte. Einige der Sessions wurden hingegen unter sehr strengen Sicherheitsvorkehrungen aufgenommen, getrennt mit Glasscheiben.

Herausgekommen sind schließlich 16 Songs, neue und bereits veröffentlichte Kollaborationen, eigene Songs und Coverversionen.

So zum Beispiel von »It’s a Sin« von den Pet Shop Boys zusammen mit dem Darsteller Olly Alexander, auch bekannt als Years & Years. Die gleichnamige Serie „It’s a Sin“ beleuchtet die AIDS-Krise der 1980er Jahre, welche John selbst miterlebte und zur Gründung seiner Elton John AIDS Foundation führte. Die Botschaft des Songs, bei allem, was man als queerer Mensch tut, als sündhaft angesehen werden zu können in einer intoleranten Gesellschaft, ist aktueller den je. In Zeiten der Corona-Forschung geriet HIV und AIDS etwas aus dem Focus, und die Gelder für dringend nötige Präventionskampagnen lagen brach oder müssen umverteilt werden.

Eine wahre Hymne des Zusammenhalts der queeren Community ist „Chosen Family“, ein Duett mit Rina Sawayama. Ihr Debütalbum erschien 2020 und beeindruckte John tief. Beide schrieben sich E-Mails, und Rina fragte Elton schließlich, ob er nicht Duettpartner für diesen Song werden mochte. Elton John liebte die Textzeilen, die von Verständnis und Verbundenheit sprechen und darüber, dass eine queere Community zum Halt, zur Ersatzfamilie werden kann. Der Schmerz darüber, Liebe nicht frei leben zu können, ausgegrenzt und diskriminiert zu werden, wird besungen und gleichsam der Stolz darüber anders sein zu dürfen und Halt zu finden.

Alle Tracks, an denen Elton John gearbeitet hat, sind vielfältig und so ganz anders als alles, wofür er bis dato bekannt war. So etwa das Mash-Up des Songs »Cold Heart« zusammen mit der britischen Popsängerin Dua Lipa und dem australischen Elektropop-Trio Pnau. Ein Disco-Hit, der durch die Vermischung des Songtextes mit Fragmenten aus „Rocketman“ zu einem absoluten Hit wurde. Der Einstieg in die Charts gelang nach 20 Jahren erneut, wer hätte das gedacht! Ebenso unerwartet das Duett „Always Love You“, eine Ballade über die Liebe, die mit Rap von Nicki Minaj und anderen bereichert wird. Wer sich erinnert, das Duett mit Eminem vor Jahren war bereits ein solcher Ausflug, der die Musikwelt aufhorchen ließ.

Elton John musste sich nichts mehr beweisen, vielmehr hat er Fans und Kritikern bewiesen, dass er auch im hohen Alter noch immer Vollblutmusiker ist. Der Mut, sich musikalisch in neues Terrain zu begeben und jungen Talenten seine Erfahrungen weiterzugeben, ist etwas, das ihm ungeheuer Freude bereitet hat. Die Inspiration, sie kam wieder. Außerdem eine neue Energie, die ihn glücklich macht und voller Euphorie für die Bühnentermine, die nun bis 2023 nachgeholt werden. Dann aber soll wirklich live Schluss sein. Seinen Fans, so sagt er, ist er das letzte gemeinsame Konzert schuldig, schließlich ist es nun Zeit „Danke euch für alles!“ persönlich sagen zu können!

(MN)

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