Diana – Das Musical: Eine ungewollte Parodie

Eine Rezension von Maximilian Nitzschke-Stockmann

Lady Diana Spencer, hier als Wachsfigur bei Madame Tussauds in London

Es wirkt bedauerlicherweise wie eine ungewollte Parodie, eine Satire!

Das tragische Beziehungsleben von Lady Diana Spencer und Prinz Charles wurde zu einem Broadway-Musical zusammengeschrieben. Dieses sollte bereits 2020 zum neuen Renner werden am Broadway, nun startet es Ende 2021 und auf Netflix ist eine Vorabaufzeichnung zu sehen. Im Musical, das unter anderem vom Bon-Jovi-Gitarristen David Bryan komponiert wurde, werden die schlagzeilenträchtigsten Szenen aus Dianas Leben aneinandergereiht und mit wilden Spekulationen vermischt. Wir sehen Diana im Bett mit ihrem Reitlehrer, die Queen singt ein Lied über die Affären von Charles, und über Harry, der in der Thronfolge hinter seinem Bruder William steht, schmettert Diana ohne Sinn: „Mein lieber, rothaariger Sohn, du wirst immer die Nummer Eins sein.“ Die Meinungen könnten nicht verheerender sein, von Pietätlosigkeit liest man, von Verwurstelung ist die Rede, von banaler Lyrik in den Texten.

Die Texter gaben an, den Diana-Hype nicht so verfolgt zu haben und auch sonst nicht viel mit der royalen Familie am Hut zu haben. Ich frag mich, warum man dann ein Musical schreibt, das alleine durch die Tatsache, über wen man es schreibt, nur polarisieren kann.

Erzählt wird die Geschichte, wie die 19-jährige Diana Spencer Prinz Charles kennen und lieben lernt, sie heiraten und bekommen zwei Kinder, William und Harry. Doch Charles‘ Liebe zu Camilla ebbte nicht ab. Eine Ehe zu dritt, Demütigung einer jungen Frau, die man unterschätzte. Die Ausschnitte der Lebensreise von Diana sind plakativ gewählt. Camilla etwa ist viel zu attraktiv besetzt, was dramaturgisch völliger Nonsens ist, wenn man den Konflikt der beiden Frauen betrachtet. Optisch und charakterlich liegen Welten zwischen Spencer und Bowles. Diana ist klar als die Sympathiefigur angelegt, alleine ihre Geschichte ist die des Opfers unter der Krone. Charles, der empathielose Ehemann voller Egoismus, der Schuldige für die Grausamkeiten an Diana, steht dem gegenüber.

Sicherlich: Geschichten aus Königshäusern, die tragisch enden, das ist Stoff für die Musical-Bühne, und dass dies auch gut gelingen kann, zeigt der Erfolg von Elisabeth seit Jahren. Der bayrische Märchenkönig Ludwig 2 hingegen war ein Flop.

Wieso also, überkommt den Zuschauer der Netflix-Serie trotz zwei Stunden Unterhaltung dann aber das Gefühl von Wut, dass man mit Dianas Vermächtnis umging, als wäre es ein Trödelladen?

Es fehlt den Figuren die nötige Tiefe, die Ambivalenz dieser Beziehungsgeschichte. Stoffe des Lebens sind nicht schwarz-weiß zu zeichnen. Da ist nicht einer der Böse und der andere der Gute, aber genau das braucht Musical. Es muss Bilder entwerfen, opulent und plakativ, und Emotionen und Dramatik in Musik verpacken. Man nahm also die Kerneckpunkte eines Lebens, und damit es nicht zu düster wird, reichert man es an mit Klischees und Spekulationen. Da wird Harry besungen als ingwerfarbiger Nummer Eins – was mehr peinlich als süß ist. Unterirdisch aber der Reitlehrer, welcher klischeehaft als trainierter Bodybilder gezeigt ist mit freiem Oberkörper und potent, der nur vom Reiten mit der Prinzessin träumt. Seufz – das ist wirklich niveaulos!

Das ganze Musical wirkt dadurch wie eine ungewollte Parodie, in der weder Diana noch das Königshaus vor derben Scherzen, Klischees und plakativer Einfärbung der Ereignisse verschont bleiben. Dianas großes Engagement im Bereich der Präventionsarbeit für AIDS wird mit einem Lied bagatellisiert. Ihre Arbeit für die Beseitigung von Landminen wird kurz vorm Tod noch schnell mal eingeworfen. Dann darf sich Diana auch von der Bühne verpissen.

Das ist traurig, respektlos und pietätlos! Zudem offenbart sich ein Problem dieses Musicals, die Tragödie wird nicht zum Happy End, denn es endet mit dem Tod der Prinzessin im Blitzlichtgewitter. Der Zuschauer bekommt nach der Tragödie keine Auflösung keinen Dramenaufbau, sondern es endet in der noch viel größeren Tragödie – dem Tod.

Auch Elisabeth tut dies, auch hier angelegt als Dreier-Beziehung mit dem Tod, aber was mit Klugheit und Tiefe hier geschafft wurde, genau das fehlt Diana eben. Somit ist zu befürchten, dass es floppt!

Vielleicht hätte man Elton John als Komponisten engagieren sollen, dann wären Respekt und Würdigung zu sehen und Tiefgang in allen Songs.

Ja, dann hätte es was werden können!

(MN)

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